Warum Architekten bei zeitgenössischen Projekten Stehfalzblech bevorzugen

  • Veröffentlicht:
  • Autor: BRAVO INTERNATIONAL GROUP
  • 6 Min. Lesezeit
Warum Architekten bei zeitgenössischen Projekten Stehfalzblech bevorzugen
Inhalt10

In den letzten Jahren ist Stehfalzblech zu einem der von Architekten bevorzugten Materialien für Dächer und Fassaden geworden. Obwohl das System in der Architektur schon seit über einem Jahrhundert verwendet wird, begegnet man ihm heute immer häufiger in zeitgenössischen Projekten, vom Einfamilienhaus bis hin zu öffentlichen Gebäuden oder Kulturbauten.

Die Beliebtheit dieses Materials ist nicht allein seiner Optik zu verdanken. Tatsächlich wird Stehfalzblech den technischen, ästhetischen und konstruktiven Anforderungen der modernen Architektur zugleich gerecht. Die Flexibilität des Systems, die Möglichkeit, durchgehende Flächen zu realisieren, und die Anpassungsfähigkeit an komplexe Geometrien machen dieses Material zu einer geeigneten Lösung für viele Arten von Projekten.

Zudem hat die Weiterentwicklung der Profilier- und Montagetechnik die Art und Weise verändert, wie Stehfalzblech eingesetzt wird. Heute können Architekten klare Baukörper, gleichmäßige Flächen und präzise Details schaffen, was erklärt, warum dieses System immer häufiger Eingang in die zeitgenössische Architektur findet.

Eine einfache und klare Architektursprache

Die zeitgenössische Architektur setzt häufig auf einfache Formen, klare Baukörper und durchgehende Flächen. In diesem Kontext bietet Stehfalzblech ein sehr stimmiges Erscheinungsbild.

Der vertikale Rhythmus der Falze erzeugt eine dezente Textur, die die Fläche gliedert, ohne sie optisch zu überfrachten. Anders als andere Bedachungssysteme, die traditionelle Materialien nachzuahmen versuchen, verleugnet Stehfalzblech seinen metallischen Charakter nicht.

Im Gegenteil: Das System bekennt sich zu dieser Identität und macht sie zum Gestaltungselement. Das Ergebnis ist eine elegante, ruhige Fläche, die sowohl bei Metalldächern als auch bei Metallfassaden sehr gut funktioniert.

Diese visuelle Klarheit ist einer der Hauptgründe, warum Architekten bei modernen Projekten Stehfalzblech bevorzugen.

Die Entwicklung des Systems: von kurzen Scharen zu durchgehenden Flächen

Ein weniger bekannter Aspekt ist, wie sich das Stehfalzsystem in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat.

Vor etwa 20–30 Jahren wurden die Scharen aus relativ kurzen Blechstreifen von rund zwei Metern Länge gefertigt. Verbunden waren sie sowohl seitlich, über die vertikalen Falze, als auch am oberen und unteren Ende, wo horizontale Überlappungen ausgeführt wurden.

Optisch entstand dadurch eine fragmentierte Fläche, weil die horizontalen Stoßlinien auf dem Dach oder an der Fassade sichtbar blieben.

Heute lassen sich die Scharen dank moderner Profilieranlagen aus einem einzigen Stück fertigen, von der Traufe bis zum First. Dadurch entfallen die horizontalen Stöße, und die Fläche wird deutlich schlichter und durchgängiger.

Das Ergebnis ist ein wesentlich klareres architektonisches Erscheinungsbild, bei dem nur noch die vertikalen Linien der Falze sichtbar bleiben.

Befestigungssystem und Kontrolle der Ausdehnung

Ein wesentliches technisches Element dieses Systems ist die Art, wie die Scharen auf dem Untergrund befestigt werden.

Anders als bei anderen Dachsystemen wird Stehfalzblech nicht starr mit der Unterkonstruktion verbunden. Die Scharen werden mit Haften befestigt, die im Inneren des Falzes verborgen sind.

Diese Hafte ermöglichen oder kontrollieren die Längsbewegung der Schar, wenn sich die Temperatur ändert.

Es gibt zwei Hauptarten von Haften:

  • Festhafte
  • Schiebehafte

Festhafte werden im Allgemeinen bei kurzen Scharen bis etwa zwei Meter Länge eingesetzt, bei denen die Ausdehnung des Materials gering ist.

Bei langen Scharen erfolgt die Befestigung überwiegend mit Schiebehaften, die es der Schar erlauben, sich bei Temperaturschwankungen leicht in Längsrichtung zu bewegen.

Allerdings wird auch bei langen Scharen ein einziger Festhaft gesetzt, dessen Aufgabe es ist, die Richtung zu kontrollieren, in die sich das Material ausdehnt und zusammenzieht.

Dieser Festhaft wird üblicherweise in der Mitte der Schar oder im oberen Drittel angeordnet, abhängig von der Dachneigung und davon, wie die Bewegung verteilt werden soll.

Scharenlänge und Wärmeausdehnung

Metall dehnt sich aus, wenn die Temperatur steigt, und zieht sich zusammen, wenn sie sinkt. Deshalb muss die Wärmeausdehnung bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden.

Für Stahl beträgt der Längenausdehnungskoeffizient etwa:

0,012 mm / m / °C

Rechnet man für ein Metalldach mit einer realistischen Temperaturspanne – von etwa -20 °C im Winter bis +80 °C im Sommer an der Blechoberfläche –, ergibt sich eine Differenz von etwa 100 °C.

Unter diesen Bedingungen ändert eine Schar aus Stahl ihre Länge um etwa:

1,2 mm je Meter Länge.

Lassen die Hafte insgesamt einen Schiebeweg von etwa 50 mm zu, muss dieser Weg sowohl die Ausdehnung als auch das Zusammenziehen des Materials aufnehmen.

Daraus ergibt sich eine praktikable Scharenlänge von etwa 25 Metern, die für die meisten Dächer ausreicht.

Unterschiede zwischen Stahl und Aluminium

Bei Aluminium ist die Ausdehnung größer.

Der Längenausdehnungskoeffizient beträgt etwa:

0,024 mm / m / °C

Bei derselben Temperaturdifferenz von 100 °C ergibt sich eine Ausdehnung von etwa:

2,4 mm je Meter Länge.

Legt man unter diesen Bedingungen denselben Schiebeweg der Hafte von etwa 50 mm zugrunde, liegt die praktikable Länge von Aluminiumscharen bei rund 12–13 Metern.

Das erklärt, warum in Aluminium ausgeführte Projekte häufig kürzere Scharen oder mehr Sorgfalt bei den Details des Dehnungsausgleichs erfordern.

Die Rolle der Profilierung beim Umgang mit Maßänderungen

Ein weniger sichtbares, aber wichtiges technisches Detail ist die Art, wie die Schar profiliert wird.

Bei vielen Stehfalzsystemen wird eine der Längsseiten der Schar mit einem etwas offeneren Winkel von etwa 100° profiliert.

Diese Geometrie hat eine subtile technische Funktion. Normalerweise treten die Maßänderungen der Schar vor allem in Längsrichtung auf und werden von den Schiebehaften aufgenommen.

Erreicht die Längsverschiebung jedoch die Grenze dessen, was das Befestigungssystem aufnehmen kann, erlaubt das Falzprofil auch einen kleinen seitlichen Ausgleich der Bewegung.

So werden Spannungen abgebaut, die im Material auftreten können.

Kontinuität zwischen Dach und Fassade

Ein weiterer Grund, warum Stehfalzblech in zeitgenössischen Projekten häufig eingesetzt wird, ist die Möglichkeit, durchgehende Flächen zu schaffen.

In vielen aktuellen Projekten werden Dach und Fassade als eine einzige Ebene behandelt, die sich über den Baukörper faltet.

Stehfalzblech ermöglicht diese Kontinuität, weil es sich gleichermaßen montieren lässt:

  • auf geneigten Flächen
  • an senkrechten Fassaden

Durch diesen Ansatz erhält das Gebäude eine klarere und einheitlichere Form, und das Material wird Teil des volumetrischen Ausdrucks des Projekts.

Anpassungsfähigkeit an komplexe Formen

Technisch gesehen ist Stehfalzblech eines der flexibelsten Metallsysteme.

Die Scharen lassen sich einsetzen:

  • bei geringen Dachneigungen
  • auf gekrümmten Flächen
  • an komplexen Baukörpern

Bei Fassaden lässt sich die Verlegerichtung variieren, bis hin zur diagonalen Verlegung, und die mechanisch geschlossenen Falze bieten einen sehr guten Schutz gegen eindringendes Wasser.

Diese Flexibilität erlaubt es Architekten, kreative Lösungen auszuloten, ohne die technische Leistungsfähigkeit des Systems zu beeinträchtigen.

Das Zusammenspiel mit dem Licht

Ein subtiler, aber von Architekten sehr geschätzter Aspekt ist die Art, wie Stehfalzblech mit dem Licht interagiert.

Der Rhythmus der Falze erzeugt feine Schatten, die sich im Laufe des Tages verändern. Dieses dezente Wechselspiel verleiht der Fläche Tiefe, ohne das Material zu einem dominanten Element zu machen.

Je nach Ausführung kann die Oberfläche sein:

  • matt und zurückhaltend
  • leicht reflektierend
  • strukturiert

So trägt das Material zum architektonischen Charakter des Gebäudes bei.

Fazit

Die Vorliebe der Architekten für Stehfalzblech ist kein Zufall. Das System bietet eine seltene Kombination aus optischer Eleganz, Flexibilität in der Planung und technischer Leistungsfähigkeit.

Die technologische Entwicklung, die den Übergang von kurzen Scharen mit zahlreichen Stößen zu durchgehenden, großformatigen Scharen ermöglichte, hat entscheidend zu diesem Wandel beigetragen.

Dank der Schlichtheit seiner Linien, der Fähigkeit, durchgehende Flächen zu schaffen, und der Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Geometrien ist Stehfalzblech zu einem der prägenden Materialien der zeitgenössischen Architektur geworden.